KC 85 - was ist denn das?

Die meisten Besucher meiner Seite haben vermutlich noch nie etwas davon gehört, was aber auch nicht weiter verwunderlich ist.
Der KC85 war der Amiga, der C64 des Ostens. In meiner Lehrausbildung bin ich in den Genuss gekommen, an solch einem Gerät meinen Informatikunterricht zu absolvieren. Zum Glück hatte ich auch privat die seltene Möglichkeit, mich an der Programmierung daran zu versuchen. Das sinnvollste, was dabei entstand, war ein kleines Programmpaket für meinen Bruder, welches ihm damals bei der Reparatur von TV-Geräten nützlich sein sollte. Man konnte damit verschiedene Testbilder generieren, welche für Messergebnisse am Oszillographen nötig waren und Widerstände an Hand des Farbcodes erkennen. Ob es nun wirklich etwas gebracht hat, weiß ich heute nicht mehr, aber es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, mit dem ziemlich einfachem BASIC herumzuexperimentieren. Ein späterer Versuch ein einfaches "Mensch ärgere Dich nicht" zu erstellen, verlief dann leider im Sande.
Der KC85/4 war das neueste Gerät aus dem Hause Robotron und kam ca.1989 auf den Markt. Waren Computer bis dahin nur schwer (wenn überhaupt) für den privaten Gebrauch zu erwerben, brachte die Maueröffnung auch in dieser Hinsicht eine Wende. Die Kaufhäuser waren plötzlich damit überfüllt und um die Regale für die besseren West-Computer leer zu bekomen, purzelten die Preise von anfänglichen 4.400 Mark bis unter 1.000 Mark (nicht DM!) So erwarb auch ich damals recht preiswert meinen ersten Homecomputer.
Allerdings war die Technik damals noch recht primitiv und umständlich, kein Vergleich mit heutigen PCs. So waren die wenigen Programme, die es im Handel gab, als Ton auf einer Audiokassette gespeichert und mussten vor jeder Benutzung neu eingelesen werden. Dies hörte sich dann so an, wie das Geräusch eines Faxgerätes und war schon etwas nervig. Auch im Westen gab es diese Technik, jedoch waren die Kassetten dort als Datasetten bekannt.
Der genaue Startvorgang für ein BASIC-Spiel lief folgender Maßen ab.

  1. Monitor anschalten

  2. Kassettengerät anschalten

  3. Computer anschalten

  4. im erscheinenden Menü "Basic" mit dem Cursor markieren und Enter drücken

  5. im folgenden "Memory-End" Bildschirm erneut Enter betätigen. Daraufhin wird der Speicher getestet, Basic geladen und es erscheint z.B.:

    47854 BYTES FREE
    OK
    >_

  6. Den Anfang des gewünschten Spiels auf der Kassette suchen. Von Vorteil war dabei der Luxus eines Bandzählwerks.

  7. Mit der Tastatur CLOAD"Spielname" eingeben und Enter betätigen.

  8. Das Kassettengerät starten. Wenn das richtige Spiel zuvor gefunden wurde erscheint:
    SSSSpielname
    oder IO ERROR bei einem Fehler

  9. Den Ladevorgang konnte man an Hand der gelesenen Speicherblöcke verfolgen.
    02> 03> 04> 05> 06>
    Erschien ein * hatte man den Anfang verpasst, bei einem ? konnten die Daten nicht gelesen werden.
    In beiden Fällen hieß es zurückspulen und erneut einlesen.
    Wurden die Daten erfolgreich geladen, wurde das mit einem FILE FOUND gemeldet.

  10. Zum Starten des Programms musste man nur noch RUN eingeben und Enter betätigen.

Etwas einfacher war es bei Programmen in der Maschinensprache. Dort musste man nur LOAD im Hauptmenü markieren, die Kassette starten und Enter drücken. Der Vorteil bei diesen war auch, wenn die Spiele klein genug waren, konnte man mehrere gleichzeitig laden und im Hauptmenü direkt starten.
Bei Programmen im Basic konnte man immer nur ein Programm gleichzeitig benutzen. Wollte man ein anderes laden, wurde das erstere automatisch überschrieben. Damit sich dabei keine Fehler einschlichen, gab man besser noch ein NEW ein, damit der Speicher auch komplett geleert wurde. Der Vorteil an den BASIC Spielen war, dass man sich mit LIST das ganze Programm als Code anzeigen lassen und mit EDIT bearbeiten konnte. Dadurch waren Änderungen am Spiel ein Leichtes.
Hat man nicht vergessen, die Änderungen mit CSAVE"Name" zu speichern und auf Kassette zu sichern, konnte man das Spiel mit den Änderungen jeder Zeit neu laden. Das war auch nötig, denn eine Festplatte gab es nicht und nach dem Ausschalten waren alle Daten gelöscht. Nur nach einem Reset (Warmstart) konnte man mit REBASIC mit etwas Glück in ein zuvor geladenes Programm zurückkehren.
Achja... das waren noch Zeiten *g*

So kompliziert wie die Handhabung war, so einfach ist die technische Ausstattung der Geräte gewesen.

Technische Daten

Prozessor:

U880 / 1,75MHz

Betriebssystem:

CAOS 4.2

Programmiersprachen:

BASIC, Assembler, Forth, Pascal

RAM:

128KB

davon für den User nutzbar:

64KB

ROM:

20KB

Bildpunkte:

81920

Auflösung:

320x256

Vordergrundfarben:

16

Hintergrundfarben:

8

Bildausgabe:

über TV, Monitor (Antenne, FBAS, RGB)

Tonerzeugung:

2 Tongeneratoren (2x5 Oktaven, 16 Lautstärkepegel)

Tonausgabe:

über TV oder Monitor (mono), Stereoanlage, interner Piezosummer

Speichermedium:

Tonbandkassette, Floppy-Laufwerk (optional)

Zusatzgeräte:

Busdriver, Floppy, Tastatur, Speichererweiterung, V24 Schnittstelle, Centronics Schnittstelle, D/A und A/D Wandler, Drucker,

Einem Fachmann kommt bei diesen Werten vermutlich ein müdes Lächeln aufs Gesicht. Einem Laien könnte man sagen, dass mehr als Tetris kaum mit diesen Geräten möglich war.
Es war halt was für Bastler... für Freaks :)
Und warum dann diese Begeisterung? Weil es halt nichts anderes, und somit auch nichts besseres gab, zumindest für den normal sterblichen DDR Bürger.
Und wenn man nichts anderes kannte, konnte auch solch eine "Rechenmaschine" Begeisterung auslösen. Grafik und Sound waren natürlich nicht berauschend, aber Spiele wie Ladder, Pyramide, Frosch, Knacki usw. machten einfach Spaß. Kultspiele wie Digger (gibt es hier auch als Windows-Version) konnten auch damals schon alles um einen herum vergessen lassen.

In Erinnerung an vergangene Tage, und Gedenken an die nicht wenigen schönen Stunden zu DDR-Zeiten hab ich diese Rubrik auf meiner Homepage eingerichtet. Eventuell kann ich damit ein paar Nostalgikern ein Lächeln und einen Seufzer entzaubern, oder aber weitere Interessenten begeistern.

Noch mehr technische Daten, Bilder und alle möglichen Infos findet ihr bei den Links

Und wer sich die kleinen spaßigen Spielchen selber probieren möchte kann sich die Emulatoren genauer ansehen.

 

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